Roddy McKay
Mein Aufenthalt in Kaule hat nicht nur Spaß gemacht, sondern war auch sehr bereichernd, zum Teil wegen des abwechslungsreichen Speiseplanes (das ist bei nepalesischen Volontärprogrammen eher eine Seltenheit), aber vor allem wegen der Haltung der Projektleiterin, die die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellte. Die Nepalesen sind berühmt für ihre Gastfreundlichkeit (auch wenn die Person, die den Gast empfängt, im selben Zuge hinter seinem Rücken schändlich über ihn herziehen kann), doch die Dorfgemeinschaft von Kaule zeigt deutlich, dass sie für die von Kaule e.V. geleistete Arbeit wirklich aufrichtig dankbar ist. Ursprünglich hatte ich geplant, nur drei Wochen in Kaule mit zu arbeiten, bevor es dann einen Monat mit einem Projekt im westlichen Teil des Landes weitergehen sollte. Die Arbeit in Kaule machte mir jedoch solchen Spaß, dass ich, als der Monat verstrichen und das Projekt vorbei waren, zurückkehrte, und so verbrachte ich von den insgesamt fünf Monaten meiner Zeit in Nepal fast die ganze Zeit hier in Kaule. Auch wenn der Schwerpunkt des Projektes auf landwirtschaftlichen Tätigkeiten liegt, so ist die Arbeit, die den Freiwilligen geboten wird, sehr vielseitig, da hier verschiedene Bedürfnisse in der Gemeinschaft ins Auge genommen werden. Ackerbau, Hausbau/Wartungsarbeiten sowie Englischunterricht gehören dort zu den Einsatzmöglichkeiten und sollte jemandem weitere Ideen einfallen, von dem er oder sie glaubt, dass sie der Gemeinschaft nützlich sein können, bin ich sicher, dass die Projektleiterin diese gerne in Betracht ziehen wird.
Die Unterkunft ist sehr komfortabel im Vergleich zu den Standards von anderen nepalesischen Volontärsprogrammen. Aber wenn man heiß duschen möchte, muss man die kurze Reise nach Kathmandu antreten. Ja, dies ist quasi ein Wink mit dem Zaunpfahl für jeden, der dort als Volontär arbeiten möchte: ich bin mir sicher, dass dort ein solarbetriebenes Duschkit als Gastgeschenk mit großer Dankbarkeit entgegengenommen werden würde. Richtet dem allezeit lächelnden Ladenbesitzer bitte ein „Namaste” von mir aus – ich bin mir sicher, dass die Kaule-Volontäre nun genug bei ihm eingekauft haben, dass er seine Kinder zur Uni schicken kann, was vielleicht der Grund für sein dauerhaftes warmes Lächeln und seine gutgelauntes Verhalten ist.
Alles in allem denke ich, dass Kaule der richtige Ort ist für jemanden, der in Nepal als Volontär arbeiten will, der sich dabei jedoch nicht ins gänzlich Unbekannte wagen möchte. Wem der Sinn nach Abenteuer steht, der sollte in den Westen des Landes reisen und erleben, was dort von einem erwartet wird, und sich, einmal von den Strapazen erholt, nach Kaule begeben.
Roddy
