Pressebericht
Helfer schulen Bauern in Nepal
Von Sascha Pries
Der Kaule e.V. hat ein Anbau-Projekt in einem Dorf in Nepal ins Leben gerufen. Durch die Schulung der nepalesischen Bauern versuchen die Biologin Alina Schick und ihre Mitarbeiter sie vom Nutzen der Agroforstwirtschaft zu überzeugen.
Innenstadt – Jas Ram Tamang ist Bauer in Nepal. Er ist eine Art Pionier, denn er hat schon vor 15 Jahren den Mut aufgebracht, seine Anbaufläche auf Agroforstwirtschaft umzustellen. Seitdem ist er von Missernten kaum betroffen, denn er baut nicht mehr nur wenige Sorten an, sondern viele verschiedene: Wenn das Wetter für Getreide schlecht ist, tragen seine Bäume mehr Früchte. Auch Schädlinge vernichten bei ihm allenfalls einen kleinen Teil der Ernte.
Jas Ram Tamang lebt in der Nähe der Stadt Kaule. Dort gibt es seit einem Jahr ein Pilotprojekt, das vom gleichnamigen Kaule e.V. betreut wird. Der Verein wurde 2007 in Köln gegründet und hat 28 Mitglieder aus ganz Deutschland. Durch die Schulung der nepalesischen Bauern versuchen die Biologin Alina Schick und ihre Mitarbeiter sie vom Nutzen der Agroforstwirtschaft zu überzeugen.
„Es ist enorm wichtig für uns, dass es dort mit Jas Ram einen Bauern gibt, der mit gutem Beispiel voran gegangen ist“, sagt Schick. Bei der Agroforstwirtschaft werden mehrere Umstellungen beim Anbau vorgenommen, wie der Vorsitzende Patrick Joisten während des Sommerfestes des Vereins in der Alten Feuerwache erklärt: Die Terrassen, auf denen in Nepal oft angebaut wird, werden dabei auch mit Bäumen bepflanzt. „Bäume erreichen mit ihren Wurzeln Nährstoffe, die viel tiefer im Boden sind“, so Joisten. Das Laub reichert den Boden zusätzlich mit Stickstoff an, so entsteht eine Art natürliche Düngung. Außerdem schützen Bäume den Boden, der durch die heftigen Niederschläge in der Regenzeit von Erosion bedroht ist.
„Verschiedene Pflanzen werden aufeinander abgestimmt“, erläutert Joisten. „Früher gab es in Kaule viel Subsistenzwirtschaft, die Bauern aßen, was sie anbauten und verdienten fast kein Geld mit dem Verkauf ihrer Waren“, sagt Schick. Durch die Umstellung können sie etwa das Holz, Kiwis oder Spargel verkaufen und sich mit dem Geld eine Krankenversicherung leisten. „Es geht uns darum, den Menschen ein größere Sicherheit zu schaffen“, so Schick.
Insgesamt 15 Familien des Dorfes mit rund 100 Menschen nehmen an dem Projekt teil. „Wir haben bewusst nicht alle Bauern eingebunden, sie sollen sich das später gegenseitig beibringen“, erklärt Schick. Sie ist selbst acht Monate im Jahr vor Ort und koordiniert die Umstellung, die drei Jahre dauert. Das Gemeindehaus der Stadt wurde in ein Trainingszentrum verwandelt, in dessen Garten Pflanzen angebaut werden. Internationale Volontäre helfen regelmäßig bei der Entwicklung des Projektes und auch Mitglieder von Kaule e.V. beteiligen sich an der Arbeit vor Ort.
So etwa Jana Nehrlich und ihre zehnjährige Tochter Alissa, die in den Sommerferien wieder nach Nepal reisen werden: „Die Menschen dort sind arm, aber immer freundlich“, sagt Alissa. Das Projekt zieht mittlerweile auch Wissenschaftler an. Niels Schwab zum Beispiel war im Frühjahr 2010 als Volontär in Kaule. Dass er jetzt auch seine Diplomarbeit über die Artenvielfalt in den agroforstwirtschaftlich genutzten Anbauflächen schreibt, liegt für ihn „auf der Hand“. Im Jahr 2012 wird das Projekt abgeschlossen sein. Schwab will genau wie Alissa und Jana Nehrlich, Alina Schick und viele andere auch in den nächsten Jahren nach Kaule reisen, um dort die Entwicklung des Dorfes nachhaltig zu unterstützen. „Je mehr Menschen uns dabei unterstützen, desto besser“, sagt Schick.
Dieser Artikel ist am 28. Juli 2010 im Kölner Stadtanzeiger erschienen.