Projekt Kaule, Nepal

Agroforstwirtschaft. Training und Unterstützung für Landwirte zum Umbau von landwirtschaftlichen Nutzflächen in Kaule, Nepal

Projektbeschreibung

Kaule liegt in Nepal im Okharpauwa Verwaltungsdistrikt, an der Grenze des Kathmandu Bezirks. Die hier übliche landwirtschaftliche Anbaumethode ist der Anbau auf an den Hängen angelegten Terrassen. Die künstlich angelegten Terrassen sind klein und meist nur mit einer geringen Anzahl von Nutzpflanzen bewirtschaftet. Übliche Anbaupflanzen sind z.B. Mais, Reis, Hirse, verschiedene Gemüse-, und Obstsorten. Solche Terrassen werden häufig durch Regenfeldbau oder künstlich, durch die Umlenkung von natürlichen Wasserläufen, bewässert.

Der Terrassenanbau in seiner jetzigen Form führt zu ernsthaften ökologischen Problemen. Erosion, Wasserverschmutzung und ein Rückgang der botanischen und zoologischen Vielfalt stellen eine Gefährdung für die natürliche Umwelt der Hügellandschaften dar.

Wirtschaftlich betrachtet sind die Ernteerträge durch die geringe Größe der Terrassen sehr begrenzt und erfüllen kaum ihren Zweck als Haupteinkommensquelle der Landwirte. Die geringe Nutzpflanzendiversität bewirkt außerdem, dass die gesamte Ernte, und damit die Existenzgrundlage der Landwirte, durch Schädlinge oder durch Umweltbedingungen wie etwa starke Unwetter oder pflanzenspezifische Schädlingsinsekten leicht vernichtet werden kann.

Die traditionelle Landwirtschaft ist körperlich hart und erfordert einen großen Zeitaufwand, da fast keine moderne Technik eingesetzt wird. Dennoch sichern die Erträge nur knapp die Grundbedürfnisse der Menschen. Für eine hinreichende Gesundheitsvorsorge, Weiterbildung oder gar eine höhere Bildung ihrer Kinder fehlen den Familien in der Regel die finanziellen Mittel.

Projektbeginn: Die erste Etappe

Im Jahr 1994 wurde den Landwirten von Kaule Material und Schulungen von einer namentlich nicht mehr bekannten Organsiation angeboten, die es ihnen ermöglichen sollten, von ihrer bisherigen Landwirtschaft zur so genannten Agroforstwirtschaft (AF) überzuwechseln, einem alternativen Anbausystem, das auf regionalspezifischen Mischkulturen basiert.

Agroforstwirtschaft war für die Landwirte neu und unbekannt, und sie empfanden es als schwierig, die Vorteile eines Projekts zu erkennen, das einer Umstellungsphase von mehreren Jahren bedarf. So verließen die meisten der zunächst zehn interessierten Familien das Projekt.

Nur ein Landwirt, Jas Ram Tamang, und seine Familie haben durchgehalten, bis das neue System autark lief. Er betreibt bis heute Agroforstwirtschaft und hat mittlerweile ein deutlich höheres Einkommen als seine Nachbarn, die subsistenzwirtschaftlichen Landbau betreiben. Ihre Erträge ermöglichen der Familie Tamang nicht nur eine weitgehende Eigenversorgung einschließlich Tierfutterproduktion, sondern auch ein Universitätsstudium der ältesten Tochter in Kathmandu.

Das Prinzip Agroforstwirtschaft (AF)

Bei der Agroforstwirtschaft handelt es sich um eine Form gemischter Landnutzung, bei der Agrarprodukte mit Baumkulturen kombiniert werden. Auf einer AF-Farm wächst eine große Anzahl unterschiedlicher Pflanzenarten. Darunter befinden sich, je nach AF-System, Nahrungspflanzen, Heilpflanzen, Pflanzen die zu religiösen Zwecken verwendet werden und verschiedenen Baumarten.

Das Gebiet erscheint auf den ersten Blick wie ein wilder Urwald. Doch es handelt sich dabei nicht um unkontrollierten Wildwuchs, sondern vielmehr um ein austariertes System. So werden beispielsweise Pflanzen, die in der Lage sind, Stickstoff aus der Luft zu binden, Futterbäume, -Sträucher und -Gräser, Gemüse- und Obstarten sowie aromatische Pflanzen strukturgebend angebaut.

Die AF Methode unterstützt außerdem ein ausgewogenes Verhältnis von Flora und Fauna. Eine Erhöhung der Pflanzenvielfalt zieht zudem mehr Tierarten an, wie Insekten, Vögel und Nagetiere. Zusätzlich werden Fischteiche an verschiedenen Stellen in das System integriert, die den Menschen eine weitere Nahrungsergänzung bieten. Tierischer Dung (z.B. von Büffeln) wird nach Aufbereitung an Stelle von künstlichen Düngemitteln verwendet.

So schafft AF ein wesentlich stabileres und unabhängigeres Ökosystem als der momentan kultivierte Terrassenanbau.

Wirtschaftlich gesehen führt die Vielfalt der angebauten Nutzpflanzen mit ihren unterschiedlichen Reifezeiten zu einer erweiterten Erntesaison für die Landwirte, was ihre Einkommenssituation zusätzlich stabilisiert.

Zukunftsperspektive: Die nächsten Schritte

Die Landwirte, die heute den Erfolg ihres Nachbarn Jas Ram Tamang sehen, der seit 1994 Agroforstwirtschaft (AF) betreibt, sind nun sehr motiviert, diese Methode künftig ebenfalls anzuwenden. Derzeit möchten fünfzehn Bauern an dem Projekt teilnehmen. Dazu benötigen sie Materialien und Schulungen, die ihnen durch unseren Verein und die lokalen Kooperationspartner zur Verfügung gestellt werden sollen. Ziel ist es, ihnen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und langfristig weitere Landwirte in benachbarten Gebieten für die neue Wirtschaftsmethode zu gewinnen. Die derzeitigen Projektteilnehmer sollen dabei nicht nur als Vorbild dienen, sondern ihre Kenntnisse und Erfahrungen aktiv weitergeben.

Gemeinschaftliches Arbeiten und gegenseitige Unterstützung soll dem finanziellen Risiko der Landwirte in den Anfangsjahren des Projektes entgegen wirken. Eine weitere Möglichkeit der finanziellen Stabilisierung der Landwirte wäre auch die Einführung von Mikrokrediten, die in den letzten Jahren als Mittel zur Selbsthilfe in Schwellenländern bekannt geworden sind und von verschiedenen Entwicklungsbanken vergeben werden.

Der hohe Wert des Euro in Nepal ermöglicht grundsätzlich viel Hilfe mit vergleichsweise sehr geringen Geldmitteln. Es ist jedoch deutlich nicht unsere Absicht, den Lebensunterhalt der Landwirte in der Umstellungsphase zu tragen. Die beteiligten Farmer sind bereit und müssen von Anfang an im Projekt bereit sein, auch die Schwierigkeiten, die die Umstellung mitbringt, auf sich zu nehmen und, mit Unterstützung, zu meistern.

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