Technische Daten

Auf dieser Seite werden nach und nach Hintergrunddaten zu verschiedene Techniken  zur Verfügung gestellt, die wir in das Projekt integrieren. Den Start machen wir hier mit der Müll-Verbrennungsanlage, die wir im Frühjahr 2010 gebaut und an die Landwirte ausgeteilt haben.

1.) Verbrennungsanlage

Müll und dessen Entsorgung ist in Nepal ein großes Problem. Häufig türmen sich in der Landschaft wild wachsende Müllkippen. Um dem entgegen zu wirken wurde im Frühjahr 2010 den Landwirten eine einfache Verbrennungsanlage zur Verfügung gestellt, die aus einem alten Ölfass leicht nach gebaut werden kann (W.Weiss 1999).

Kleinst-Müllverbrennungsanlage

Gegen die kleinen stinkenden Müllhaufen

Einleitung

Der Müll ist selbst für technisch hochentwickelte Industriestaaten ein Problem. Wieviel größer ist dies Problem für Staaten der Dritten Welt!
Wie soll man die vielen, sich in ganz Nepal ausbreitenden großen und kleinen, wilden Müllablagerungen vermeiden?
Als Sofortmaßnahme gibt es nach Ansicht des Autors nur ein Konzept: die Bürger müssen motiviert werden, ihren brennbaren Müll (dort wo dies praktisch durchführbar ist) selbst zu verbrennen.

Dazu wurde ein Informations- und Gedankenaustausch mit dem Vorsitzenden der Deutsch-Nepalischen Gesellschaft, Herrn Ram Thapa, seinem Sohn, Herrn Philipp Thapa, der als Zivi in Nepal tätig war (1) und auf nepalischer Seite mit Frau Tara Gurung (2) geführt. Schließlich wurden unter Federführung der Letzteren auf dem Gelände des Zentralverwaltungsbaues des ACAP (3) in Pokhara vom Autor praktische Versuche durchgeführt, um einen geeigneten Verbrennungsofen zu erarbeiten.

Präzisierung der Aufgabenstellung

Es galt eine Verbrennungsmöglichkeit zu schaffen, mit der jedermann in der Lage ist, üblicherweise anfallenden Müll – möglichst ohne Zufügen von Fremdenergie – vollständig zu verbrennen. Dabei wurde vor allem gedacht an den Müll wie er in kleinsten Wohneinheiten, in einzelnen Häusern, Lodges, Dörfern, Stadtteilen usw. anfällt.
Die Kosten für die Anlage sollten so gering wie nur möglich sein.
Die Anlage sollte praktisch überall leicht zu erstellen, in ihrer Funktion gut zu verstehen und damit leicht zweckmäßig zu bedienen sein.

Praktische Durchführung der Arbeiten und Überlegungen dazu

Bei einer kurzen Literatur- beziehungsweise Internet-Recherche zeigte sich schnell, dass man für diesen Fall nicht auf bereits veröffentlichte Erfahrungen zurückgreifen kann.
Der Autor entschloss sich daher selbst etwas zu erfinden und vor Ort praktisch zu erproben. Dies alles erfolgte im Oktober 2000 auf vollkommen privater Basis.
ACAP stellte einen Mitarbeiter ab, Herrn Amrit Shrestha (4), der normalerweise als overseer in Lwang, einer Außenstelle des ACAP, tätig ist. Mit diesem engagierten Mitarbeiter war es möglich, das Vorhaben zu verwirklichen. Alle Erfahrungen, sowohl die beim praktischen Betrieb des Ofens gewonnenen als auch die, die ich aus meinem Erfahrungsschatz weiterzugeben hatte, sind allein auf ihn übergegangen.

Eingangs wurden offizielle Mitarbeiter der Behörde davon überzeugt, dass es kein Verbrechen an der Umwelt ist, wenn derartig kleine Mengen an Müll ohne Abgasreinigung verbrannt werden. Sicherlich verunsichert durch Berichte in den Medien glauben viele, dass bei der Verbrennung von Kunststoff das Umweltgift Dioxin entstehe. Das ist in der Regel nicht der Fall. So ist die Verbrennung von derartigem Müll gleichzusetzen mit dem Heizen durch Holz, Petroleum oder Flüssiggas.

Auf dem Gelände lagerte ca. 1 m³ Müll, der in der Anapurna-Region angefallen war. Seine Verbrennung, zügig durchgeführt, hätte max. 4 Std. beansprucht. Letztlich verblieben ca. 3 l Asche, die als Dünger auf einem Feld Verwendung finden können.
Es ist selbstverständlich, dass der Müll sortiert werden muss. Metalle, unverbrennbare Teile, (Steine, Glas, Erdreich, Knochen, etc.) müssen entfernt werden. Sie lassen sich häufig wiederverwenden.

Größere Mengen an kompostierbaren Substanzen sollten natürlich kompostiert werden. Jedoch schafft es die Ofenkonstruktion, kleinere Mengen, gut verteilt, zu trocknen und zu verbrennen.
Liegt eine größere Menge an Kunststoff vor, die auf einmal zu verbrennen ist, so sollte die Menge verteilt werden. Durch Zufügen von Asche bildenden Substanzen wie Holz, Papier oder Pappe kann die Verbrennung des evtl. geschmolzenen Kunststoffs katalytisch gefördert werden.

Beschreibung des Verbrennungsofens, Bauart und Funktionsweise

Der Ofen besteht aus einem alten Benzin-/Ölfass, nur oben, beziehungsweise unten und oben geöffnet.
Die erforderlichen runden Öffnungen werden mit einem Spitzmeißel eingeschlagen.
Die Stangen der Roste sind fast überall verfügbaren Baustähle, die vielerorts herumliegen, oder für wenige Rupies/kg erworben werden können.

Für den Luftzutritt und zum Entfernen Asche ist unten eine Öffnung eingeschnitten.
Der Ofen wird beschickt auf der obersten Ebene, die auch die erste Trockenstufe darstellt. Der Bedienungsmann wird bald lernen, dass er nicht zu viel Material aufgeben darf, weil sonst nicht mehr genügend Luft angesaugt werden kann.
Mittels einer Harke wird das Material jeweils weiter nach unten befördert. Es wurde auch der Einbau von fest installierten Harken erprobt, jedoch als unnötig und eher störend wieder verworfen.

Die weit herausragenden Stangen des unteren Rostes dienen dazu, den Rost durch Rütteln und Schlagen, etwa mit einem Hammer oder der Harke von der Asche zu befreien und somit für ausreichenden Zug zu sorgen. Dies ist besonders wichtig, wenn etwa gummihaltiger Müll verbrannt werden soll. Die Gummistückchen sollten nicht größer sein als 50 g, um den hohen Luftbedarf bei der autokatalytischen Zersetzung zu decken. Sonst tritt zu starke Rauchentwicklung auf.

Das Einleiten der Verbrennung kann durch ein kleines Feuer mit trockenem Holz, Papier oder Pappe im Ascheraum erfolgen. Sehr gut bewährt hat sich in der Versuchsphase das Entzünden der ersten Füllung mittels eines Flüssiggasbrenners an einem Schlauch, der in Pokhara zu erhalten war. Solch ein Brenner könnte sehr von Nutzen sein, wenn wegen besonders feuchten Verbrennungsgutes temporär nachgeheizt werden muss. Er läßt sich ggf. ersetzen durch einen der üblichen Petroleum-Küchenöfen, dessen Brennstoffzuführungsrohr durch Anschweißen verlängert wurde.

Zusammenfassung – Ausblick

Es wurde ein Verbrennungsofen entwickelt und praktisch erprobt. Siehe Zeichnung.
Er eignet sich zur Verbrennung von kleinen Müllmengen (1–2 m³ pro Tag).

Wenn ACAP Herrn Amrit Shrestha beauftragt, sich weiter in diesem Sinne einzusetzen, könnte er als Keimzelle funktionieren, weitere Personen anlernen, und ggf. die Anlage weiter entwickeln.
Damit könnte die Belastung der Umwelt durch Müll deutlich und sichtbar vermindert werden.

(1) Weiss W., (1999). Nepal Information 33 Nr. 84, Seite 184
(2) Tara Gurung = Senior Conservation Officer ( Tourism ), im KMTNC´s ACAP
(3) PO Box 183, Tel: 00977.61.21102, 28202, Fax:…..28203
(4) Abkürzungs-Schlüssel

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